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Ein streitsüchtiger Professor, der es mit der Wahrheit nicht genau nahm, und dessen astronomischer Kenntnisstand nicht auf der Höhe der Zeit war, wurde auch mit einem falschen Beweis zum Märtyrer der Wahrheit. Denn er hatte das Glück, mit seinem Irrtum nicht politisch korrekt zu sein. Seine Auffassung zur astronomischen Bibelexegese war richtiger als die damaliger Theologen, doch diese hatten ein besseres Urteilsvermögen zur Astronomie als er. |
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01 Einführung |
05 Biblischer Wortsinn |
09 Zirkelskandal |
13 Zwischenzeit |
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02 Galileibewältigung |
06 Galileis Zeit |
10 Fernrohrerfinder |
14 Zweiter Prozeß |
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03 Astronomie |
07 Galileis Herkunft |
11 Erfolge |
15 Lebensende |
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04 Drehmomente |
08 Mode-Astronomie |
12 Erster Prozeß |
1. Einführung |
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Zugleich verband Galilei mit seinen Theorien theologische Interpretationen, die nicht in sein Fachgebiet fielen. Sein Verhalten im Zusammenhang mit den Untersuchungen der Inquisition, die oft auch ihr theologisches Fachgebiet durch naturwissenschaftliche Aussagen verließ, war nicht frei von Provokationen. Obwohl nachsichtig behandelt, wurde sein Fall im kulturideologischen Interessengeflecht der späteren Aufklärung willkommene Munition für Kirchenkritik. Den Mythos ergänzten später Behauptungen, die Galilei fälschlich zum Entdecker des Fernrohrs und der Fallgesetze machten. Eine aufgeklärte Einsicht in die realen Hintergründe des Falles ist bislang in der öffentlichen Wahrnehmung noch nicht gelungen. |
2. Galileibewältigung |
Auf dem 2. Vatikanischen Konzil wurde Galilei von Kardinal Suenens und Erzbischof D´Souza als Synonym für Fortschritt gegen Kirchentradition gestellt. Papst Paul VI. rief am 7.12.65 auf, „den Glauben Galileis, Dantes und Michelangelos nachzuahmen“. In der Konzilskonstitution „Gaudium et Spes“ vom 7. Dezember 1965 wird „mangelndes früheres Verständnis von Christen für die Autonomie der Wissenschaft“ bedauert mit Fußnote auf die Galilei-Biographie von Paschini. Zwei Konzilsväter wollen dieses Bedauern verschweigen, um einen „Minderwertigkeitskomplex der Kirche gegenüber der Wissenschaft“ zu verhindern. Der Dominikaner William Wallace enthüllt mit ddp 02/81 längst bekannte Plagiate in Galileis Arbeit und beschönigt dies als üblich und als Kompliment für die bestohlenen Urheber. Umgekehrt hat Galilei jedoch jedes vermeintliche Plagiat aus seiner Arbeit scharf bekämpft (Proportionalzirkel, Sonnenflecken). Ideenklau kann also auch zu Galileis Zeiten nicht so üblich und löblich gewesen sein. |
3. Entwicklungen in der Astronomie |
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Irrig ist die Vorstellung, Fortschritt habe mittelalterlichen Geozentrismus durch klügeren Heliozentrismus überwunden. Letzterer war vielmehr schon in der Antike eines unter anderen Konzepten. Nach Ende der Antike waren es vor allem Kleriker der Kirche und kirchliche Universitäten, durch die astronomisches Wissen erweitert wurde. Erst mit Kepler und Newton wurden entscheidende Fortschritte erreicht, durch die letztlich das früheste aller diskutierten Kosmoskonzepte, der Heliozentrismus, erneuert und bestätigt wurde. |
4. Problematische Drehmomente |
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Diskussionen: Wegen der bestehenden Probleme heliozentrischer
Erklärungsversuche blieben geozentrische Lehren Leitidee, wie zuletzt
entworfen durch Tycho de Brahe (Tycho Bild rechts, sein Planetensystem
oben). |
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Geozentrische Argumente: Es entsteht heute der Eindruck, daß
also Heliozentrismus die naheliegende Lösung für das Problem ist, und für
jeden erkennbar sein müßte. Das wurde aber keineswegs aus Unwissenheit
abgelehnt, vielmehr gab es objektive Einwände. Diese konnten als
wissenschaftlich fortschrittlicher erscheinen als etwa ein
Heliozentrismus, den Pythagoras schon 1000 Jahre vor Galilei lehrte.
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Vielerlei Glaube: Das Beispiel mag zeigen, daß ein heutiger Bundesdurchschnittsbürger mit halbvergessenem Schulwissen der Physik vermutlich keine Chance hätte, in einer akademischen Diskussion mit damaligen Geozentrikern zu bestehen. Er müßte sich unter dem Gelächter ganzer Hörsäle der geozentrischen Universitäten hilflos auf Bücher herausreden, worin er mal gesehen haben will, daß sich die Erde um die Sonne dreht. Es bliebe ihm nur der Glaube, daß seine Meinung schon stimmt. Aber das ging den Geozentrikern ebenso, und sie hatten bessere Argumente für ihre Meinung. Und für ihre Vorstellung schienen Aussagen der Bibel als geistige Autorität der Zeit zu sprechen. | |
5. Kann man die Bibel wörtlich nehmen ? |
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Irrtum oder nicht? Ein Gutachter des ersten Galilei-Inquisitionsprozesses, Kardinal R. Bellarmin (Bild oben), hatte daher die durchaus legitime Auffassung: Wenn eine fragwürdige heliozentrische Theorie gegen das steht, was die Bibel sagt, dann vertraue ich lieber auf die Bibel. Trotzdem blieb die Frage, was zu tun ist, wenn der Widerspruch zur Naturkunde tatsächlich vorliegt. Dann würde sich entweder das jüdische Alte Testament der Bibel irren, oder seine theologischen Ausleger der Kirche. Beides war für die kirchliche Lehrautorität damaliger Zeit keine akzeptable Vorstellung. |
6. Galileis Zeit |
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Kirche & Gesellschaft: Theologische Themen haben weite Schnittmengen in andere Fachgebiete, und die Kirche wurde hier in der Verantwortung gesehen für die Plausibilität von Lehraussagen, die Religion berührten. Eine Institution, deren Existenzlegitimation in einer Lehre liegt, wird wenig überzeugen, wenn diese widersprüchliche Aussagen umfaßt. Umgekehrt wird eine gemeinsam getragene einheitliche Überzeugung Grundlage für Ansprüche in der Gesellschaft. Kritik an dieser Überzeugung wiederum war Opposition gegen diese Ansprüche an die Gesellschaft. Wenn Priester wie Kopernikus (Bild) behaupteten, daß sich die Erde um sich selbst und die Sonne drehe, war dies ein Widerspruch zum wörtlich ausgelegten Schriftsinn der Bibel. Solche Aussagen konnten aus Sicht von Theologen verstanden werden als eine der vielen "Häresien", also Irrlehren. Häresien: Diese hatte es bis zur Zeit Galileis schon viele gegeben, etwa Ansichten zur Gottesnatur Christi (Arianismus, 4. Jh.) oder zur Menschheit Christi (Monophysitismus, 5. Jh.). Die Diskussionen um diese Fragen hatten geholfen, das Konzept der Religion zu vertiefen. Zuletzt war dies allerdings auch ein Streit um die Autorität der Kirche geworden (John Wiklif, 14. Jh., Hussiten, 15. Jh, Lutheraner, 16. Jh.). Wer wie Galilei also im 17. Jh. Widerspruch zur theologischen Auslegung der Schrift vortrug, der konnte sich in der Zeit der Gegenreformation nicht darauf berufen, nur Naturwissenschaft zu betreiben.
Inquisition: Um einen Streit in theologischen Fragen klären zu können und als Reaktion auf die Reformation, wurden im Vatikan zwei Behörden eingerichtet: die Glaubenskongregation und die Indexkongregation als Instrument der Gegenreformation. Die erste Behörde zur Klärung strittiger Ansichten, die zweite zur Buchzensur. Beide Kongregationen (Sanctum Officium) werden heute oft irrtümlich als "Inquisition" bezeichnet, dem Begriff und der Herkunft nach eigentlich ein Ermittlungsverfahren. |
7. Galileis Herkunft |
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Geltungstrieb: Die Ehrsucht Galileis zeigte sich erstmals 1587 durch sein Verlangen einer Zeugenbeurkundung von Ergebnissen über Schwerkraftuntersuchungen. Ohne akademischen Grad, aber aufgrund hochkarätiger Beziehungen erlangte er ein Lektorat in Siena, 1589 eine dreijährige Dozentur in Pisa, sowie 1592 eine sechsjährige Mathematikprofessur in Padua. Dort hatte er zeitweise ein uneheliches Verhältnis mit Marina Gamba (3 Kinder). Pendeleien: Laut seinem Schüler und Biograph V. Viviani habe Galilei 1583 an einem schwingenden Deckenleuchter im Dom zu Pisa den Isochronismus der Pendelbewegung entdeckt. In Galileis Aufzeichnngen taucht dies aber erstmals um 1600 auf. Frühere Entdecker des Phänomens sind arabische Naturkundler im 12. Jh. sowie der Schweizer Astronom J. Bürgi (1552-1632). Da Galilei sich eher ungerne mit Studien anderer beschäftigte, ist fast anzunehmen, daß er wirklich meinte, als erster darauf gekommen zu sein. |
8. Astronomie als Modethema |
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Geozentrischer Start: Galilei publizierte 1606 eine geozentrische Studie (Trattato della Sfera o Cosmografia). Er führte dazu auch ungeprüft Beweise für Geozentrismus an, die Kopernikus bereits widerlegt hatte. Auch Tycho Brahes Argumente waren ihm unbekannt, obwohl Galileis akademischer Bekannter, der Jesuit Clavius (Bild) diesen als „zweiten Ptolemäus“ gefeiert hatte. Kepler fragte Galilei in zwei weiteren Briefen nach Gründen seines Heliozentrismus. Galilei antwortete sieben Jahre lang nicht. In dieser Zeit behauptete Galilei vielmehr gegenüber dem Bologneser Professor Magini, das Buch von Kepler nicht zu kennen. Wenn man es richtig versteht, ist diese Aussage nicht einmal falsch, gelesen hat er es wahrscheinlich wirklich nicht. |
9. Der Zirkelskandal |
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Rachezug: Mit dem von Capra angebotenen öffentlichen Widerruf und einer Entschuldigung war er jedoch nicht zufrieden, sondern inszenierte eine Szene vor dem akademischen Gericht mit dem Ziel der gesellschaftlichen Vernichtung Capras. Auf seinem publizistischen Rachezug griff Galilei auch den akademischen Lehrer Capras, S. Marius, an mit Argumenten wie: „neidischer Feind, diabolischer Ratgeber, Hasser des Menschengeschlechts, bissige Lügenschlange“.
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10. Erfinder des Fernrohrs? |
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Teleskop-Genius: Galilei hatte sich nicht mit theoretischer
Optik beschäftigt, er bastelte aber viel an Linsen. Auf die Nachricht von
der Fernrohrerfindung und anhand der dabei vermittelten Ideen zur
Kombination konvexer und konkaver Linsen baute er 1609 ein eigenes. Er
hatte erstmals öffentlich publiziert, ein Fernrohr auch für Astronomie
verwendet zu haben (Sternenbote, Bild rechts), dieses aber keineswegs
erfunden. Öffentlich benutzte er zur Darstellung seines Anteils an der
Sache die Vokabel "hat entwickelt", was man einerseits als Erfindung
verstehen kann, andererseits aber auch als Herstellung. Produziert und
verkauft hat er in der Tat etliche Teleskope. Seine "Erfindung" bestand
darin, das Fernrohr nicht am Tag auf ein fernes Haus, sondern nachts auf
einen Stern gerichtet zu haben. Heute scheint die Ansicht verbreitet, daß
darauf nur ein begnadeter Genius wie Galilei kommen konnte. Soll dies
vielleicht etwas aussagen über das Maß für Genialität in unserer
Zeit?
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11. Akademische Erfolge |
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Umdenken: Kepler schrieb nach Lektüre des Sternenboten einen begeisternd lobenden Brief an Galilei, wobei er auch Bezug nahm zu seinen eigenen Entdeckungen in gleichem Sinne in seiner „Astronomia Nova“. Galilei antwortete nicht. 1611 fand Galilei begeisterte Aufnahme in allen gelehrten und kirchlichen Kreisen Roms. Jesuitenastronomen der römischen Universität bestätigten nach Auftrag durch Bellarmin Galileis Beobachtungen. Ebenso, daß Geozentrik nach Ptolemäus zweifelhaft werde, auch wenn Heliozentrik nach Kopernikus noch unbewiesen sei. In dieser Sache wurde noch kein endgültiges Urteil gefällt und weitere Untersuchungen zu Kopernikus und Tycho angestrebt. Denn ein wirklicher Beweis für Heliozentrik lag damals nicht vor, wohl aber begründete naturkundliche Einwände. Bellarmin war die Problematik unorthodoxer Ideen durchaus bekannt. Sein Werk zur weltlichen Herrschaftsbefugnis des Papstes außerhalb des Kirchenstaats stand auf dem Zensurindex des Officiums. Wenngleich Galilei also nicht der Entdecker neuer heliozentrischer Impulse war, so hatte sein aggressives Auftreten in diesem Sinne jedoch den Erfolg, das in dieser Sache nötige Umdenken zu beschleunigen. |
12. Erster Prozeß |
13. Zwischenzeit |
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23. Mai 1618: Galilei schrieb einen Brief an Erzherzog Leopold von Österreich mit Zusendung eines Fernrohrs und seiner Schriften über Sonnenflecken und Gezeiten zur Verteidigung des Heliozentrismus. Galilei gab mokant vor, wie man seine Abweichung von kirchlicher Orthodoxie verstehen solle: „Als ein Gedicht, oder Träumerei, an dem ich, wie eben ein Dichter es tut, hängt, und daher immer noch eine gewisse Schwäche für den Traum empfindet.“ Diese Schriften wollte Galilei in Österreich anonym drucken lassen, wobei ihm aber trotzdem die Urheberrechte an der „Entdeckung“ gesichert werden sollten. Der Vorschlag wurde nicht angenommen. 1620: Die Indexkongregation erließ ein Dekret, unter welchen Bedingungen und Korrekturen kopernikanische Schriften wieder zugelassen werden können. 1624: Orazio Grassi SJ, Mathematikprofessor am Collegium Romanum, veröffentlichte sein Buch "Liber Astronomica et Philosophica". Darin wandte er sich von striktem Geozentrismus ab, kritisierte aber auch zu Recht Galileis mangelhafte heliozentrische Beweise.
6. August 1623: Beginn des Pontifikats von Urban VIII. (Maffeo Barberini, Bild rechts). Zum Officium-Dekret 1616 teilte er mit: Wäre es auf ihn angekommen, wäre es nie erlassen worden. 23. April 1624: Galilei zu Besuch in Rom mit grandioser Aufnahme des Klerus und Höflichkeitserweisen durch den neuen Papst, der auch die Goldwaage las. |
14. Der Fall Galilei: Zweiter Prozeß |
15. Lebensende |
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